Cayenne

Wallach FM, JG 2011

V: Lucky Star / MV: Clair Vallon

Stockmass aktuell 1.60

Stattlich, elegant, aufgerichtet, menschenbezogen, gesund, verschmust, arbeitsfreudig, unerschrocken

"Das Pferd, von dem ich das Gefühl habe, er habe mich  mehr gelehrt als ich ihm"



Cayenne kam im Februar 2015 zur Grundausbildung auf der Paradise Ranch. Kurz zuvor war er noch Hengst und zeigt entsprechend Temperament. Er zeigte mir bereits vor seiner Ankunft, dass er Menschen nicht als zuverlässige Lebewesen kennen gelernt hat. Mit nur 4 Jahren war sein Selbstschutz-Trieb schon ziemlich geweckt: Cayenne zog, drückte, machte sich fest, riss sich los - sprich: er tat alles, was er dachte, tun zu müssen, um zu überleben. Der stattliche Wallach war von der Nase bis zur Schweifrübe eine einzige Anspannung; und mir war klar, dass ich da so schnell kein Bein drüber schwingen würde.

 

Stattdessen arbeiteten wir vom Boden: Cayenne lernte, dass er immer einen "Guten Deal" erhält, eine faire Einladung, das Verlangte zu tun. Das, was er bisher "gelernt" hatte, stellte ich ihm nicht ab, aber ich machte es ihm schwer, es weiterhin zu tun. Konkret zeigte ich Cayenne, wie er sich im Kreis um mich bewegen und dabei meinen Bereich ("Bubble") respektieren sollte, wie er Hinter- und Vorderhand unabhängig voneinander verschiebt, Druck weicht und rückwärts tritt. Zunächst schienen wir gut Vorwärts zu kommen - bis zum Tag, als er sich plötzlich auf die Gegenseite entzog und mich buchstäblich über den Paddock schleifte. Ich musste 2 ganze Tage darüber nachdenken, was ich verpasst hatte und wo. Dann wurde mir klar: Cayenne war stets gewichen, weil er Respekt hatte (vielleicht einen Rest Angst vor den Zweibeinern im Generellen) - aber ich hatte kein "Feel", keine "Softness", keine Verbindung. 

 

Also arbeiteten wir tagelang nur daran: Nachgeben, nachfolgen, freie Arbeit im Roundpen. Cayenne zeigte sofort, wie sehr er darauf gewartet hatte: Schnell liess er sich "anhängen", lief mir nach wie ein Hündchen, und wurde auch im Stall unsere grösste Schmusebacke. Die Grundmanöver am Boden (Vorwärts, Vor- und Hinterhand unabhängig auf beide Seiten bewegen, Rückwärts, Seitwärts) funktionierten ebenfalls gut, und Schritt für Schritt schaffte er es auch, an mich heranzutreten, wenn ich auf dem Zaun sass, um ihn von oben zu streicheln. 

 

Und dann, an einem schönen Frühlingsabend nach rund 2 Monaten war es soweit: Es fühlte sich gut an, und ich ritt den Buben das erste Mal. Wie bei allem, was ich im bisher präsentiert hatte, zeigte er zuerst etwas Spannung. Innerhalb von Minuten aber atmete er durch und bewegte sich flüssig und entspannt mit mir. Dieses Gefühl von Dankbarkeit, dass er mir sein Vertrauen schenken konnte, werde ich nie mehr in meinem Leben vergessen.

 

2 Monate und einige (Aus-)Ritte danach genoss Cayenne 6 Wochen Alp, wo er noch einmal sehr viel Spannung ablassen konnte. Darauf folgte sein erster Kurs (bei Paul Dietz) - er machte sich wunderbar. Nach weiteren 2 Monaten, total 4 Monaten unter dem Sattel, beherrschte er die Grundmanöver in allen Gangarten, ging unerschrocken ins Gelände und Halle / Reitplatz. Natürlich brauchte der junge Kerl noch da und dort Support, den er auch bekam. Seine Besitzerin konnte ihn leider nicht behalten, aber Cayenne hat einen tollen Platz gefunden in den Bündner Bergen; bei einer jungen Frau, der er bei der ersten Begegnung das Herz gestohlen hat - wie uns auch. 

Machs gut, Grosser - du fehlst uns!