Spirit

Haflinger

Wallach, 2007

 

"Ein Pferd, das sich zu verteidigen gelernt hat"



Unsere Wege kreuzten sich zufällig, denn eigentlich war ich wegen seines Stallkumpels Lou gerufen worden. Als ich jedoch erfuhr, dass man auch mit ihm Schwierigkeiten hatte, und er von einem "Trainer" als "böse" betitelt und zur Schlachtung empfohlen worden war, musste ich mich natürlich mit ihm unterhalten. Er zeigte, dass er vor allem eins gelernt hatte: Sich zu verteidigen.

Spirit zog gemeinsam mit Lou zur Intensiv-Korrektur bei mir ein. Intensiv war es in der Tat: Spirit drückte, zerrte, blockierte und machte klar, dass er bereit war, seine Hinterhand gegen mich einzusetzen. In den ersten 2 Sessions schleppte er mich mehrfach über den Paddock. Dass ich es mit 600 kg nicht aufnehmen konnte, was mir klar. Also ging ich auf Distanz - seine Füsse bewegte ich ihm trotzdem. 25 Minuten dauerte es, bis Spirit einen anderen Weg suchte, nämlich den Kontakt zu mir - statt den Kampf mit mir. Das Erstaunen in seinen Augen, als er dafür mit Ruhe und Streicheln belohnt wurde, war unbezahlbar. Danach arbeiteten wir in kleinsten Schritten daran, wie er meine Bubble respektieren, seine Schulter nach aussen und seine Hinterhand von mir weg bewegen konnte. Spirit entpuppte sich zum absoluten Schmusebären und lernte in atemberaubender Geschwindigkeit. Oftmals passierten die Fortschritte zwischen den Sessions: Was am Vortag noch harzig war, ging Tags darauf plötzlich geschmeidig. 

In einem Monat lernte Spirit sich am Halfter führen zu lassen, die Grundmanöver am Boden (Vorwärts, Kreis, Hinterhand. Vorhand, Rückwärts, Seitwärts), an den Zaun herantreten wenn jemand drauf sitzt. Einzig loslassen, sich im Hals zu biegen, schaffte er nach links bisher nicht auf Anhieb.Aus purer Neugier gab es zum Schluss auch eine gerittene Session, die das bestätigt, was unsere Lehrer stets sagen: Was am Boden nicht Klappt, geht auch im Sattel nicht: Spirit gab sich zwar alle Mühe, aber solange Nachgeben und Softness nicht in Fleisch und Blut übergegangen sind, wird er noch viel, viel Groundwork brauchen, bis er flüssig und leicht ist unter dem Sattel. 

Jetzt ist Spirit zurück bei seinen Besitzern, welche mit ihm die Paul Dietz-Kurs im August besucht haben. Seine 15jährige Freundin reiten zu sehen, war ein riesiges Geschenk! Er darf leben und zeigen, was für ein tolles Pferd in ihm steckt. Wenn es auf dem weiteren Weg meine Unterstützung braucht, werde ich sie gerne gewähren.